Das zweite Leben durchgeliebter Jeans

Geliebt – getragen – nicht ausrangiert und deswegen nachhaltig:
Im HEi ist eine Ausstellung textiler Kunstobjekte zu bewundern, die bis Ende Februar läuft.

Jeans sind unkomplizierte Zeitgenossen: Gewaschen,  zum Trocknen aufgehängt und ungebügelt begleiten  sie einen Tag für Tag. Die leichten Falten vom Zusammenlegen im Schrank werden beim Tragen von der Körperwärme geglättet. 
Die hier ausgestellten Jeans hängen sich an den Schnüren aus und folgen als Faltenwurf dem leichten Zug der Haken. 


Jeans sind anpassungsfreudig: An den vorderen Knien  und der Sitzfläche dehnt sich der Stoff, in den Kniebeugen und im Schritt bilden sich Falten und die Farbe bleicht mit der Zeit aus. Je nach Belastung wird der Stoff an manchen Stellen dünner. Vorbeugend Stoff unterkleben und zackeln, um den Verschleiß zu verzögern ist eine Option. Irgendwann sind die Stellen durchgescheuert und es bleibt nur flicken – gerne sichtbar. Genau wie Flecken bergen (geflickte) Löcher die Erinnerungen an die gemeinsam verbrachte Zeit. 


Voller Geschichten liegen meine Jeans irgendwann  auf einem Stapel. Andere werden mir überreicht. Recht oft ist jemand herausgewachsen, sei es in der Breite oder der Länge. Wieder andere sind abgetragen und ehe sie in einem Altkleidercontainer oder gar im Müll entsorgt werden, bekomme ich sie mit samt einer kurzen Beschreibung des Trennungsgrundes für eine weitere Verwendung anvertraut. 


Zu gegebener Zeit finden sich die durchgeliebten Jeans wegen ihrer Farbe, Textur, Beulen und Knitter oder auch zu einem Anlass neu zusammen. Die langen Fäden der Kettnähte ringeln sich nach dem Auftrennen am Boden, die zerschnittenen, kurzen Fädchen der Steppnähte stauben das Zimmer ein. Die durchs Tragen verzogenen Hosenteile liegen dann in Einzelteilen auf dem Boden, fertig zum Zusammennähen – bereit für ihr zweites Leben. 

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